Bachneunauge

Das Bachneunauge gehört zum Unterstamm der Wirbeltiere, zur Überklasse der Kieferlose, zur Klasse der Rundmäuler, zur Familie der Neunaugen, der Gattung Lampetra. Der wissenschaftliche Name des Bauchneunauges ist „Lampetra planeri“. Des weiteren ist das Bachneunauge unter den Namen kleine Pricke, kleines Flussneunauge, Brook Lamprey und la petite lamproie de rivirére.

Die Bachneunaugen werden zwischen 10 und 16cm groß, in seltenen Fällen auch bis zu 21cm. In der Regel liegt ihr Gewicht bei 15 bis 25g, höchstens jedoch bei 40g. Die Körperform ist aalförmig, wobei das Bachneunauge nicht mit den Aalen verwandt ist. Es verfügt über zwei Rückenflossen, die bei erwachsenen Tieren während der Laichzeit aneinander stoßen. Dieses Merkmal unterscheidet sie von den Flussneunaugen.

Die Oberseiten des Körpers sind dunkelblau bis dunkelgrün eingefärbt, während die Flanken gelblichweiß sind und die Bauchseite weiß ist.

Das Bachneunauge gehört zu den sog. Rundmäulern, die eine sehr altertümliche Tiergruppe sind. Diese Tiergruppe hat keinen ausgebildeten Unterkiefer.

Der Name „Bauchneunauge“ ist davon abgeleitet, dass die Nasengrube, die Augen und die sieben Kiemenöffnungen von der Seite aus gesehen wie neun Augen aussehen.

Der Oberkiefer ist breit und hat auf jeder Seite einen starken Zahn. Die Unterkieferplatte verfügt über 5 bis 9 abgerundete, gleichgroße Zähne. Seitliche äußere und untere Lippenzähne hat das Bachneunauge nicht, wobei die inneren Lippenzähne, die zwei- oder dreihöckerig sind, sehr schwach entwickelt sind. Die vordere Zungenplatte hat an der Vorderkante eine Einsenkung mit mehreren Zähnchen, hier ist das mittlere Zähnchen größer und breiter als die übrigen.

Das Bachneunauge ist das einzige stationär lebende Rundmaul in Deutschland. Seinen Lebensraum hat es in Fließgewässern in vorzugsweise klaren Bächen und kleinen Flüssen in der Forellen- und Äschenregion. Gelegentlich kommt es aber auch in sauberen durchströmten Gräben oder Seen vor.

Das Bachneunauge ist gegenüber der Gewässerversauerung unempfindlich, meidet aber steinige und sehr schnell fließende Gewässerabschnitte und Unterläufe großer Flüsse.

Geografisch kommt das Bachneunauge nur in Mittel- und Nordeuropa nördlich der Pyrenäen und der Alpen vor. In Ost- und Südbayern ist es weniger verbreitet und kommt vor allen nur noch im Einzugsgebiet des Mains vor. Da in den letzten 30 Jahren die Bestände des Bachneunauges in Bayern deutlich zurück gegangen sind, ist es hier als „gefährdet“ eingestuft. Da die Bestände in Nordbayern noch recht gut sind, hat Bayern eine hohe Verantwortung für die Erhaltung dieser gefährdeten Art.

Auf der Iberischen Halbinsel, in Italien und im nördlichen Skandinavien kommt das Bachneunauge jedoch gar nicht mehr vor. Das Verbreitungsgebiet im Osten wird von der Wolga begrenzt. In Flüssen wie Weser und Ems fehlt das Bachneunauge ebenfalls.

Das Bachneunauge wandert zum Ablaichen im Frühjahr bachaufwärts. In kleinen Rudeln von 6 bis 12 Tieren schlagen sie mit dem Schwanz am Laichplatz Gruben in den Sand- oder Kiesboden, in die die Eier abgelegt werden. Größere Steine wälzen sie mit dem Maul heraus.

Beim Laichvorgang saugt sich das Weibchen mit dem Maul an einem Stein fest, während das Männchen seinen Schwanzteil um sie windet. Teilweise saugt sich das Männchen auch am Rücken des Weibchens fest. Bei diesem Vorgang verlängert sich das Begattungsorgan des Männchens röhrenartig. Die Weibchen legen beim Laichvorgang bis zu 1.500 Eier ab. Die Elterntiere sterben, wie alle Neunaugen, kurz nach der Eiablage.

Aus den Eiern schlüpfen nach einigen Tagen Larven, die Querder genannt werden und weder Augen noch Zähne haben. Die Querder haben dreieckige Mäuler sowie hufeisenförmige Oberlippen und die Kiemenöffnungen liegen in einer gemeinsamen Querrinne. Die Larven suchen sich dann ruhigere Bachbereiche und graben sich dort für das Larvenstadium ein.

Das Larvenstadium dauert vier bis sechs Jahre. Während dieser Zeit lebt der Querder verborgen in schlammigen und ruhigen Bachabschnitten, in humosen Sandanschwemmungen und unter verrottetem Laub. Lediglich das Maul ragt etwas ins strömende Wasser, um Schwebeteilchen wie feines organischen Material und Kieselalgen zu filtern – dies allein ist ihre Nahrung. Da zu optimalen Lebensbedingungen nicht verfestigte Sandbänke notwendig sind, die mit feinem oganischem Material ohne Faulschlamm versetzt sind, sind Querder daher vor allem in naturbelassenen und unregulierten Fließgewässern zu finden.

Nach der jahrelangen Larvenphase findet eine Einwicklung zum geschlechtsreifen Tier statt. Hierbei bilden sich die Geschlechtsorgane, die Zähne und die Augen. Der Darm jedoch schrumpft und ist funktionslos. Eine Nahrungsaufnahme findet ab jetzt nicht mehr statt. Diese Entwicklungsphase beginnt in der Regel Ende Juni und dauert bis zum folgenden Frühjahr.

Ist die Entwicklung zum Bauchneunauge abgeschlossen, nehmen erwachsene Bachneunauen keine Nahrung mehr auf und sind demnach reine Vermehrungsstadien.

Gemäß § 1 Landesfischereiordnung ist das Bachneunauge ganzjährige geschont. Zudem zählt es zu den gefährdeten Arten. Der Rückgang wird auf die Belastung der Gewässer mit gift- und nährstoffhaltigen Abwässern zurück geführt. Hauptsächliche Ursache ist jedoch die Verbauung von Fließgewässern, die die Wandermöglichkeiten von Bachneunaugen unerbrochen haben. Daher ist eine Verbesserung der Gewässerstruktur und –qualität unbedingt erforderlich und Laichgebiete müssen vor Eingriffen in die Sohl- und Uferstruktur geschützt werden. Zudem müssen Wandermöglichkeiten erhalten und ggf. wieder hergestellt werden.

 
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